• Via Monitor gewährt das Unternehmen Einblicke in den Schlachtbetrieb, die Corona-Schutzmaßnahmen wurden massiv verschärft © Ballguide/Stefan Pajman
  • Kontrollen im Fleischwerk Foto © Ballguide/Pajman
  • Das Führungsteam der Fleischwerke Marcher Foto © Ballguide/Pajman

Neuigkeiten vom 26.06.2020

Wie der Grazer Schlachthof Corona aussperren will

Quelle: Kleine Zeitung

Nach den Covid-19-Fällen in Deutschland verstärkt der Grazer Schlachtbetrieb Marcher seine Sicherheitsmaßnahmen. Bislang gab es bei den großteils ausländischen Arbeitern und weiteren Angestellten 70 negative Tests, ab Montag sollen 200 weitere folgen.

Im Hintergrund sind die Live-Bilder der Kameras aus dem Grazer Schlachthof zu sehen. In einer Reihe stehen die in Plastikgewänder gehüllten Mitarbeiter und zerlegen Fleischstücke. Auf einem anderen Bild sehen wir, wie Schweine einem grünen Licht im leicht ansteigenden Boden folgen. Panflötenmusik im Hintergrund beruhigt sie zusätzlich, ehe sie ein Stromschlag betäubt.

Naturgemäß ist ein Schlachthof kein zimperlicher Ort. Die  Tiere sind hier „Ware“, alles läuft am Fließband ab, 1500 Schweine und rund 300 Rinder werden getötet – pro Tag. Doch diesmal sind es nicht ethische Gründe oder Tierschützer-Lobbys, die dem Unternehmen zu schaffen machen. Es sind die Bilder aus Deutschland, die den Corona-Ausnahmezustand der letzten Wochen noch einmal verstärken. Im Fleischbetrieb Tönnies in Nordrhein-Westfalen wurden mehr als 1000 Mitarbeiter mit Covid-19 infiziert, die gesamte Region in den Lockdown versetzt. Ähnliche Berichte gibt es aus weiteren Betrieben im ganzen Land. Damit das in Graz nicht passiert, hat Norbert Marcher, Chefder Marcher Fleischwerke, also auch des Grazer Schlachthofs, reagiert.

Corona-Krisenstab

Bereits im Februar wurde ein Corona-Krisenstab eingerichtet, täglich gibt es Workshops dazu, das Tragen von Masken ist Pflicht – auch in den Büros. „Seit Montag wird bei jedem, der die Anlage betritt, Fieber gemessen“, schildert Marcher. Außerdem macht das Unternehmen Stichprobentests quer durch alle Arbeitsbereiche. „Bislang waren es in Graz 70 Tests, die allesamt negativ verliefen. Österreichweit haben wir 200 der insgesamt 1800 Mitarbeiter getestet.“ Ab Montag sollen noch einmal 200 Tests vorgenommen werden. In den Gängen wurde ein Leitsystem installiert, in der Kantine trennen Plexiglasscheiben die Mitarbeiter voneinander.

Marcher betont: „Corona hat, soweit man derzeit weiß, nichts mit den Fleischprodukten zu tun.“ Allerdings dürfte das Konglomerat aus kalter, feuchter Umgebungsluft in den Schlachthöfen und dem Schwitzen der Arbeiter für das Virus günstige Bedingungen schaffen. Damit es in Graz zu keiner Ansteckung kommt, sind die Arbeiter außerdem in Gruppen eingeteilt, deren definierte Arbeitsbereiche sich nicht kreuzen.

Arbeiter aus dem Ausland

Der Massenausbruch des Virus in Deutschland hängt aber auch mit den dortigen Arbeitsbedingungen zusammen. Einerseits sind die Arbeiter über Subfirmen angestellt, andererseits in größeren Gruppen in Baracken untergebracht. Im Grazer Schlachthof sind vor allem Arbeiter aus Ungarn, Kroatien und Slowenien tätig – Tages- oder Wochenpendler. „Sie sind alle direkt bei uns nach dem österreichischen Kollektivvertrag angestellt“, so Werkleiter Jörg Mai.

20 Prozent der Facharbeiter leben in Wohnungen, die vom Unternehmen zur Verfügung gestellt wurden, der Rest wohnt privat. „Viele Mitarbeiter sind seit Jahren bei uns tätig“, ist Betriebsrat Werner Höfer stolz, „während der Coronakrise waren die Leute solidarisch mit dem Unternehmen und blieben in Graz, um den Quarantänebestimmungen bei Grenzübertritten zu entgehen.“

All diese Maßnahmen will Marcher nicht wertend sehen. „Es ist Aufgabe der Behörden und der Wissenschaft, die Gründe für die Ausbreitung des Virus zu erkennen. Wir sagen auch nicht, dass wir etwas besser machen als die deutschen Kollegen – wir machen es definitiv nur anders.“